«Journalismus und Kulinarik» im Kloster St. Klara in Stans

Am 5. Februar 2026 lud die SRG Nidwalden zu einem besonderen Abend ins stimmungsvolle Kloster St. Klara in Stans ein. In eindrücklicher Atmosphäre stand ein Thema im Zentrum, das aktueller kaum sein könnte: der Qualitätsjournalismus.

Als Gäste begrüsste die SRG Nidwalden zwei ausgewiesene Fachpersonen aus dem journalistischen Alltag: Dr. Salvador Atasoy, News-Moderator und Ausbildner bei SRF, Leiter der Gewerkschaft SSM sowie Autor einer Dissertation zum Qualitätsbegriff im Journalismus, und Philippe Erath, langjähriger SRF-Mitarbeiter, News-Produzent und Wirtschaftsredaktor.

In der offenen Gesprächsrunde wurde deutlich, wie stark sich der Journalismus in den letzten Jahren verändert hat. Der Online-Bereich ist stark gewachsen, während das lineare Fernsehen und Radio kontinuierlich an Bedeutung verliert. Inhalte werden inzwischen über verschiedene Vektoren und Konsumarten verbreitet: linear, on demand, über Homepage und App. Ausserdem hat durch das Internet die Geschwindigkeit der Nachrichtenverbreitung noch mehr Fahrt aufgenommen. Wenn etwa ein Thema in der Tagesschau läuft, ist es am nächsten Morgen oft bereits überholt, im Radio und auch Online muss das Thema entweder um weitere Aspekte erweitert werden oder ganz fallengelassen werden, insbesondere wenn sich über Nacht wichtigere und dringendere Themen aufdrängen. Ein Blick auf das Mediennutzungsverhalten zeigte zudem Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Junge Männer gelten als stärker newsaffin – oft über den Einstieg Sport – während junge Frauen insgesamt weniger klassische News konsumieren.

Diskutiert wurde auch über organisatorische Unterschiede im internationalen Vergleich, etwa zu Deutschland und Belgien. Deutschland arbeitet noch komplizierter als die SRG, kann aber dank höheren finanziellen Mitteln ein breiteres und teilweise auch hochwertigeres Angebot liefern. Belgien hat die gleichen Herausforderungen wie die Schweiz, es ist ein ähnlich kleines Land und hat auch drei Sprachregionen. Indes operieren diese komplett unabhängig.

Um die Qualität bei SRF zu sichern, hilft mitunter die Unterteilung in Fach- und Senderedaktionen. Fachredaktionen recherchieren, interviewen, stellen Inhalte her, während Senderedaktionen diese aus den verschiedenen Fachredaktionen zusammenstellen, überprüfen und senden. Dies kostet zwar teilweise Geschwindigkeit, aber sichert entschieden durch das Vier-Augenprinzip die Qualität. Was den Journalistinnen und Journalisten bei SRF immer mehr abverlangt ist das Überprüfen von Quellen (Social Media, aber auch immer weniger unabhängige Nachrichtenagenturen). Dies wiegt umso schwerer, weil bei SRF eine strenge Zwei-Quellen-Regel gilt: Nachrichten dürfen erst verbreitet werden, wenn zwei unabhängige Quellen dasselbe sagen. Bei Konflikten wie zum Beispiel im Gaza-Krieg, wo beide Seiten auch viel mit Social Media arbeiten, zeigt sich diese Herausforderung exemplarisch.

Weitere Themen waren der zunehmende Einsatz von KI bei der Artikelerstellung – auch bedingt durch Personalmangel –, die abnehmende Themenvielfalt aufgrund knapper Ressourcen sowie die Einschätzung, dass gedruckte Zeitungen künftig vermehrt zu einem Luxusprodukt werden.

Das Publikum beteiligte sich engagiert an der Diskussion und nutzte die Gelegenheit für Fragen und den direkten Austausch. Abgerundet wurde der Abend durch ein regionales Drei-Gänge-Menü aus der Küche von Markus Odermatt, ehemals Furkablick und Jägerheim, der für seine Verwendung von Nidwaldner Zutaten bekannt ist.

Text: Nicole Jauch / Vorstand SRG Nidwalden.
Titelbild v.l.n.r.: Manuela Sommer (Präsidentin SRG Nidwalden), Dr. Salvador Atasoy, Philippe Erath und Markus Odermatt. Copyright: SRG Nidwalden.

Weitere Neuigkeiten