Medienpreis 2026 der SRG Zentralschweiz: Yves Demuth gewinnt in der Kategorie «Beste Recherche», Michèle Rüedi erhält Nachwuchspreis
Die SRG Zentralschweiz verlieh am Sonntagabend, dem 11. Oktober 2026, im Kleintheater Luzern den Medienpreis 2026. Ausgezeichnet wurden der Beobachter-Journalist Yves Demuth für seine Recherche zum Fall Alois Kappeler und die SRF-Journalistin Michèle Rüedi für ihre Reportage über Obdachlosigkeit in der Schweiz.
Der Medienpreis der SRG Zentralschweiz wurde nach einer umfangreichen Überarbeitung erstmals nach sieben Jahren in neuer Form verliehen. Mit den neuen Kategorien «Beste Recherche», «Nachwuchs» und «Mediale Innovation» will die SRG Zentralschweiz journalistische Qualität, neue Perspektiven und die Weiterentwicklung des Medienschaffens in der Zentralschweiz fördern. Die diesjährige Ausgabe markiert den Neustart des Preises, der künftig alle zwei Jahre ausgeschrieben und verliehen wird.
Den Medienpreis in der Kategorie «Beste Recherche» erhielt Journalist Yves Demuth vom Beobachter für seine Recherche «Verbrechen ohne Täter». Die Arbeit beleuchtet das Schicksal des Jenischen Alois Kappeler, der im Kanton Schwyz während Jahrzehnten bevormundet und in seinen Rechten eingeschränkt wurde. Die Recherche zeigt auf, wie die Aufarbeitung des Falls bis in die Gegenwart reicht. So steht auch eine mögliche Staatshaftungsklage von Alois Kappeler gegen den Kanton Schwyz zur Diskussion. Die Recherche macht damit ein wenig bekanntes Kapitel der Zentralschweizer Geschichte sichtbar und wirft Fragen nach staatlicher Verantwortung, Erinnerungskultur und Gerechtigkeit gegenüber Minderheiten auf. Die Jury würdigte die journalistische Sorgfalt, die Beharrlichkeit der Recherche und ihre hohe gesellschaftliche Relevanz.
In der Kategorie «Nachwuchs» zeichnete die Jury die 27-jährige Luzerner Videojournalistin Michèle Rüedi von SRF aus. Ihre Videoreportage «Reiches Land, harte Realität – Obdachlosigkeit in der Schweiz» macht die Lebensrealität von Menschen sichtbar, die oft am Rand der öffentlichen Wahrnehmung stehen. Ausgehend von Beobachtungen in ihrem eigenen Umfeld sowie Gesprächen mit Betroffenen und Fachpersonen beleuchtet die Arbeit die unterschiedlichen Ursachen von Obdachlosigkeit und zeigt auf, mit welchen Herausforderungen Betroffene im Alltag konfrontiert sind. Die Jury würdigte die sensible Herangehensweise an ein gesellschaftlich relevantes Thema sowie die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich und nahbar zu vermitteln.
Während die Kategorien «Beste Recherche» und «Nachwuchs» an etablierte journalistische Kriterien anknüpfen, richtet sich der Blick der Kategorie «Mediale Innovation» auf neue Formen und Methoden im Medienschaffen. Die eingereichten Projekte zeigten spannende Ansätze der Vermittlung journalistischer Inhalte. Die Jury kam jedoch zum Schluss, dass sich die eingereichten Beiträge noch nicht ausreichend von bestehenden Formaten und Herangehensweisen abheben, um den Preis in dieser Kategorie zu vergeben. Mit ihrem Entscheid unterstrich die Jury den Qualitätsanspruch des Medienpreises.
Die 51 eingereichten Beiträge zeigen eindrücklich die Vielfalt des Journalismus in der Zentralschweiz.
«Mit dem neuen Medienpreis der SRG Zentralschweiz wollen wir Qualitätsjournalismus würdigen, die Vielfalt unserer Medienlandschaft zeigen und jungen Talenten eine Bühne geben», sagt Nicole Jauch, Jurypräsidentin und Ressortverantwortliche Medienpreis des Leitenden Ausschusses der SRG Zentralschweiz.
Neben den ausgezeichneten Arbeiten standen am Abend der Preisverleihung auch die Rolle und Zukunft des Journalismus im Mittelpunkt des Abends. Mit einer Keynote spannte Stephan Sigrist, Zukunftsforscher und Gründer des Think Tanks W.I.R.E., den Bogen von den prämierten Beiträgen zu den Herausforderungen der Medienzukunft. Er zeigte auf, wie technologische Entwicklungen und veränderte Informationsgewohnheiten den Journalismus verändern, gleichzeitig aber dessen Bedeutung für demokratische Meinungsbildung und gesellschaftliche Orientierung stärken. Die ausgezeichneten Arbeiten seien Beispiele dafür, wie Qualitätsjournalismus auch im digitalen Zeitalter relevante Themen sichtbar machen, einordnen und zur öffentlichen Diskussion beitragen könne. Durch den Abend führte die Luzerner Comedienne Julia Steiner.